Der Rücken
Als zentrales Achsenorgan des Menschen ist die Wirbelsäule einer besonderen Belastung ausgesetzt.
Durch den schnellen Übergang vom Vierbeiner zum Zweibeiner in der Evolution sind Schwachstellen
entstanden, an die sich unser Körper nur sehr ungenügend angepasst hat.
Konstruktive Probleme
Besonders die Übergänge von sehr beweglichen Abschnitten der Wirbelsäule (z.B. der obere Anteil der
Lendenwirbelsäule) zu den sehr unbeweglichen Abschnitten der Wirbelsäule (unter Anteil der Lendenwirbelsäule)
sind Schwachstellen, die schon bei 40-Jährigen deutliche Abnutzungen zeigen können, die aber nicht unbedingt
sofort Schmerzen verursachen.
Wachstum
Zu einer Verschlechterung der Wirbelsäule führen auch Abnutzungserscheinungen, die durch Vorschäden aus
dem Wachstumsalter, Fehlbelastungen in der Jugendzeit oder einen verfrühten und intensiven Beginn des
Trainings entstehen. Bei einem Kind sind besonders die Bandstrukturen an der Wirbelsäule noch ungenügend
ausgebildet, so dass es dort schnell zu Überbelastungen kommen kann. Das Kind bzw. der Jugendliche ist noch
ein „Bindegewebsschwächling“ bis zum Abschluss der Wachstumsphase. Auch die muskuläre Situation ist noch nicht
so gut wie bei einem Erwachsenen, so dass die Überbelastung der Wirbelsäule kompensiert werden könnte.
Andererseits ist der junge Mensch aber auch sehr beweglich, was einigen Sportarten, wie z.B. auch dem Turnsport,
zugute kommt.
Bewegung und Sport
Von der mobilen Phase bis zum Vorschulalter geht unser Leben direkt in eine statische Phase mit überwiegend
sitzender Tätigkeit über. Und dies ist besonders für die Bandscheibe ein großes Problem. Die Bandscheibe ist
ein Gewebe, das ohne Blutgefäße ernährt werden muss. Sie wird durch Kompression und Dekompression sowie
Bewegung in der Wirbelsäule mit Nährstoffen versorgt. Unterbleibt dies, trocknet die Bandscheibe quasi aus,
wird spröde, geht kaputt und es kommt zum Bandscheibenvorfall. Daher ist Bewegung und Sport für die Lebenszeit
der Bandscheibe entscheidend und verantwortlich. Der Sport sollte aber mit Vernunft betrieben werden.
Sportartspezifische Probleme
Das Hauptproblem von Beschwerden an der Wirbelsäule im Sport liegt an einer zu geringen und falschen Belastung.
Bei sportlicher Belastung passt sich der gesamte menschliche Organismus an. Man spricht auch von einem
Trainingseffekt. Besonders das Herz-/Kreislaufsystem adaptiert sich am schnellsten. Dann folgt die Muskulatur
mit ihren Sehnen. Die langsamste Anpassungsfähigkeit hat das Bindegewebe. Während sich das Herz und die Lunge
sehr schnell anpassen und in wenigen Monaten Höchstleistung bringen, können Muskeln, Sehnen, Bänder und
Bandscheiben mit der Geschwindigkeit nicht mithalten und können und verursachen so einen Schaden durch die
Überlastung.
Natürlich gibt es nicht nur Überlastungsschäden durch Sport an der Wirbelsäule, sondern auch Schäden durch
Unfälle. Die Schädigungen entstehen durch extreme Hohlkreuzbewegungen (Lordosierungen), axiale Stauchungen und
Verdrehbewegungen (Torsionsbewegungen). Untersuchungen zeigen, dass 5% aller Sportschäden die Wirbelsäule
betreffen.
Schwimmen
Schwimmen wird als Sportart für die Wirbelsäule grundsätzlich empfohlen. Die Muskulatur, auch die
Rumpfmuskulatur, wird im Vergleich zu den anderen Sportarten mit Entlastung des Körpergewichts, also auch
der Wirbelsäule, trainiert.
Probleme gibt es nur im Leistungssport beim Kraul – und Delphinschwimmen mit dem extremen Hohlkreuz.
Radfahren
Beim Radfahren können Sturzverletzungen fatal enden. In der Vergangenheit gab es schon einige schwere Stürze
mit Querschnittsverletzungen, besonders im Halswirbelsäulenbereich. Der Rundrücken, „Buckel“, ist schon eine
sehr radsportspezifische Eigenheit. Jahrelanges Training, durch die Wachstumsphasen hindurch, fixiert den
Rundrücken. Auch die extreme Nackenhaltung, besonders beim Zeitfahren mit extremer Sattelüberhöhung, führt
zu Beschwerden.
Laufen
Beim Laufen entstehen axiale Stauchungskräfte, die vom Laufstil, Untergrund und Schuhmaterial abhängen und
nicht unerheblich sind. Hier ist besonders die Rumpfmuskulatur gefordert, die die Strukturen der Wirbelsäule
unterstützt und stabilisiert. Die Dämpfung der Laufschuhe beeinflusst die axiale Stauchung der Wirbelsäule.
Diagnostik
Neben der Anamnese, u.a. des genauen Bewegungsablaufes der Sportarten, ist die körperliche Untersuchung des
Sportlers entscheidend. Es muss unterschieden werden, ob Blockierungen in den kleinen Gelenken der Wirbelsäule
oder vielleicht schon Bandscheibenschäden zu Schmerz- und Nervenausstrahlungen führen. Auch sollte die Funktion
der Bauch – und Rückenmuskulatur untersucht werden. Statische und knöcherne Probleme werden mit Röntgenbildern
dokumentiert. Bei therapieresistenten Beschwerden ist eine kernspintomographische Untersuchung ( MRT, Kernspin)
unverzichtbar.
Therapie
Man beginnt zunächst mit einer konservativen Therapie. D.h. nach genauer Analyse der Beschwerden, werden die
muskulären Defizite, die fehlende Beweglichkeit ausgeglichen und auftrainiert bei begleitender
krankengymnastischer Behandlung. Auch eine Ruhephase ist sehr wichtig, damit nicht die noch bestehende
Fehlbelastung der Therapie entgegenarbeitet. Physikalische Maßnahmen wie Wärme- und Elektrotherapie
verstärken den Gesundungsprozess. Medikamentös sind muskelentspannende und schmerzlindernde Präparate zu
empfehlen. Auch Vit. B-Komplexe sind für die nervalen Strukturen förderlich. Zusätzlich sind selektive
Infiltrationen an den Wirbelsäulengelenken erfolgreich. Die sollten allerdings nur vom Fachmann unter
radiologischer Kontrolle durchgeführt werden.
Führen all diese Therapien nicht zum Erfolg, ist eine Operationsindikation zu diskutieren. In den letzten
Jahren ist die minimalinvasive, also die Schlüssellochchirurgie, wie bei den großen und kleinen Gelenken,
immer bedeutender geworden. Der Patient ist nach der Operation meist viel schneller mobil und sportfähig,
als vor 10 bis 15 Jahren.
Prophylaxe
Im Kindesalter und Vorschulalter sollte vor Beginn ausgeprägter sportlicher Belastung eine genaue orthopädische
Untersuchung der Wirbelsäule erfolgen. Massive Fehlbildungen schließen Leistungssport aus. Die wichtigste
Prophylaxe für den Sportler besteht in einer möglichst guten Ausbildung der Bauch– und Rückenmuskulatur.
Bei einseitigen Sportarten, wie Radfahren, ist durch Ausgleichsport, z.B. Schwimmen, der wirbelsäulenschädigende
Einfluss zu kompensieren. Daher ist Triathlon eine ideale Sportart. Die aktive Prophylaxe im Training besteht
auch darin, ungünstige Bewegungsabläufe und Haltungen zu erkennen und zu modifizieren.
Anatomie
es gibt 7 Halswirbel ( HWS ), 12 Brustwirbel ( BWS ), 5-6 Lendenwirbel ( LWS ) und das Kreuzbein
( Os sacrum ) mit dem anhängendem Steißbein ( Os coccygis )
Quelle:Team Erdinger Alkoholfrei